Von WOMAN-Leserin lighthouse
„Nein das ist nicht mein Leuchtturm, so sieht er nicht aus“! Ein großer Mann trat mit langsamen Schritten auf mich zu. Sein strahlender Gesichtsausdruck und das Leuchten seiner Augen ließen erkennen, dass ich seinen Erwartungen entsprach. Für ihn war die Welt um uns vergessen und die Personen, die am Bahnsteig eilig ihren Weg suchten, wurden gar nicht wahrgenommen.
3 Wochen und 5 Tage zuvor habe ich ihn angeschrieben. Im Internet in einem Forum für „lange“ Menschen. Ich hatte die Einsamkeit satt und sehnte mich nach Nähe, nach Zuneigung, nach Heimat, nach Sex. Ein „Leuchtturm“ hatte es mir angetan, seine Worte, seine Texte; jetzt schritt dieser auf mich zu, langsamen Schrittes um sich jeden Zentimeter von mir einzuprägen.
Ja, ein Foto hatte ich gesehen, auf diesem animierten mich seine grau-grünen Augen zum Träumen, welches Farbenspiel werden mir diese Augen wohl zeigen, welche Tiefe werden sie mir offenbaren? Ansonsten dunkelhaarig, etwas mollig die Statur, aber da ich auch nicht zu einem Modell mit Größe 36 gehöre, sondern eine 40jährige mit weiblichen Rundungen bin, sah ich in meiner Phantasie bereits ein sehr schönes groß gewachsenes Paar.
Es herrschte ein reges Treiben auf dem Bahnhof, die Zeit schien aber still zu stehen, die Wegstrecke, die er abschritt, schien endlos. 750 Kilometer hat er mit dem Zug zurückgelegt, 750 Kilometer um die Frau in Österreich zu treffen, die ihm Schmetterlinge entgegensandte.
Ich schluckte, ein sehr voluminöser Mann schritt auf mich zu, ein Mann von der Statur eines Grizzlybären – so „gewichtig“ – ich war überrascht.
Eine zaghafte sanfte Umarmung, ein leise gekrächztes „Hallo“ meinerseits und ein Hauch eines Kusses zur Begrüßung auf seine „Friesen“-Wange. Unsicher sahen wir uns in die Augen, diese funkelnden Augen lösten ein Kribbeln in meinem Körper aus. Jetzt erst nahm ich wahr, dass ich seine Hand immer noch hielt, die er mir irgendwann gereicht haben musste. Und diese Hand wurde auch nicht gelöst, als wir uns auf den Weg zum Auto und somit zu unseren 4 Tagen machten, die vor uns lagen.
Zwei Tage der Gespräche, der langsamen Annäherung, des langsamen Kennen Lernens – Nächtens brachte ich ihn immer zurück in seine kleine Pension, eine günstige Bleibe ohne Bad und Frühstück, das konnte er ja in meiner kleinen Wohnung konsumieren. Nächte voller Gedanken und aufkeimender Sehnsucht.
Immer öfter haftete mein Blick an seinen Lippen, immer öfter stellte ich mir die großen rosa-färbigen Lippen vor, wie sie sich anfühlen mussten. Und dann endlich hatte er meine Blicke richtig gedeutet und seine Lippen umschlossen meine, ganz sanft vorerst, abwartend, wie wohl meine Reaktion wäre. Ein Kuss voller Wärme, der ein Feuer entfachte, seine Zunge, die sanft zu Spielen begann und sich auf die Suche nach meiner Zunge machte. Gierig und ausgehungert, aber sanft und weich, konnten sie sich nicht mehr voneinander lösen. Wo hat dieser Mann nur küssen gelernt?
Erst spät abends als er bereits wieder in seiner Pension war, berührte ich meine heißen geschwollenen Lippen. Diesen Lippen fehlte das Gegenstück – diese Sehnsucht war unbeschreiblich. Erst morgen zum Frühstück würden sich diese Lippen wiederfinden – erst dann würden wir uns wiedersehen, uns „wiederfühlen“.
In mir wurde ein Feuer entfacht, wie habe ich mich danach gesehnt, meinen Körper wieder so wahrzunehmen, dieses Feuer zu spüren. Jetzt wusste ich, wie das morgige Frühstück aussehen würde, wie es aussehen musste. Und mit diesem Gedanken schlief ich ein, eine kurze traumreiche Nacht lag vor mir.
Als ich am nächsten Morgen pünktlich vor seiner Pension parkte um ihn zum Frühstück abzuholen, klopfte mein Herz bis zum Hals. Seine strahlenden Augen, die mir entgegenblickten, ließen in meinem Körper einen ganzen Schmetterlingsschwarm frei und dieser erklärte meine Bauchgegend zum Freiflug-Gehege.
Bei mir zuhause angekommen zog sich mein „Leuchtturm“ in das Bad zurück um zu Duschen und ich ließ ihn in dem Glauben, das Frühstück zu bereiten. Ich traf einstweilen romantische Vorkehrungen und versuchte, meine Erregung noch etwas in Zaum zu halten. Ich will diesen Mann…. Ich will ihn…. Zum Frühstück….
Bekleidet mit meinem roten kurzen Lieblingskleid wusste ich um meine rote Seiden-Unterwäsche, ein Hauch von rotem Nichts, die nur darauf wartete, enthüllt zu werden. Ich lauschte auf die Geräusche aus dem Bad, jetzt musste er bereits beim Rasieren sein, er pfiff fröhlich ein Lied. Als ich es nicht mehr erwarten konnte, ging ich einfach ins Bad. Er stand da, überrascht, in seinem schwarzen Slip und griff nach seinem Hemd, um es über zu streifen.
Ich sagte nur mit heiserer Stimme, die mir nicht mehr richtig gehorchen wollte: „Du brauchst kein Hemd zum Frühstücken“ und ich führte ihn ins Schlafzimmer.
„Bist du schon sehr hungrig, oder hättest du Lust auf eine andere Art des Frühstücks?“ Dabei begannen meine Finger mit seinen Brusthaaren zu spielen und unsere Lippen fanden sich. Aber nicht nur die Lippen fanden sich an diesem Morgen, der Varianten-Reichtum meines ostfriesischen Leuchtturms ließ unser Frühstück zum Mittagessen werden und auch unsere Schmetterlinge bekamen ausreichend Gelegenheit sich auszutoben.
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